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Nachdrucke:
Nachdruck NWZ vom 19.09.2008
Klänge aus einer anderen Dimension
WIRTSCHAFT Abacus Electronics feiert 25-jähriges Bestehen – Mini-Verstärker Ampino prämiert
KARL-HEINZ SONDER FERTIGT EXKLUSIVE HIFI-GERÄTE. NEUE AKTIVBOXEN SIND IN PLANUNG.
VON ULRICH SCHLÜTER
NORDENHAM - Schwer zu finden ist der Betrieb von Karl-Heinz Sonder nicht. Abacus Electronics heißt es unspektakulär auf dem Firmenschild an der Bahnhofstaße 39a. Doch was der Nordenhamer Geschäftsführer des kleinen, aber feinen Unternehmens herstellt, wissen nur eingeweihte Technik-Enthusiasten: Karl-Heinz Sonder produziert Hifi-Geräte der Spitzenklasse.
Mit dem Verstärker Abacus 60-120, der vor 25 Jahren auf den Markt kam, hat Karl-Heinz Sonder seinen Ruf in der Fachwelt begründet. Aus der Firma Audio Pro Deutschland hervorgegangen, entwickelte Karl-Heinz Sonder ab 1983 vorzugsweise Industrieelektronik. Dazu zählten hauptsächlich Mess- und Regeltechnik sowie Elektromechanik und Elektroakustik.
Da war aber noch mehr: „Ich wollte den besten Verstärker der Welt bauen“, erinnert sich der Abacus-Geschäftsführer. Doch es gelang ihm nicht, jene Schaltung zu entwickeln, um den perfekten Klang zu erzeugen. Bis ihn eines Tages ein unverhoffter Anruf aus Varel erreichte. Ein Elektromechaniker stellte ihm am Telefon das Konzept seines geplanten Verstärkers vor. „Das war exakt mein Gerät, das ich bauen wollte.“
Eine fruchtbare Partnerschaft begann. Die beiden Erfinder schraubten und löteten innerhalb von zwei Wochen fünf Prototypen zusammen. Lautsprecher, egal welcher Art, klangen auf einmal deutlich besser und wuchsen über sich hinaus. Die beiden stellten die Abacus-Prototypen der Fachpresse und dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zur Verfügung. Die Resonanz war unbeschreiblich: „An einem Montagmorgen habe ich nur noch telefoniert. Es war wie eine Welle“, beschreibt Karl-Heinz Sonder den Tag, als der „Spiegel“ die Rezension über den Verstärker abdruckte. Rund 1000 Anfragen von Händlern aus Deutschland lagen plötzlich vor, und das bei einer Produktion von gerade einmal 20 Exemplaren wöchentlich. Darauf war das kleine Nordenhamer Unternehmen nicht vorbereitet. „Es war ein Fiasko“, schmunzelt Karl-Heinz Sonder. Rund 10 000 Stück des Abacus-Verstärkers sind seither an den Mann gebracht worden.
Die Tugenden des Klangwunders haben sich auch auf den kleinen Bruder übertragen, den Abacus jetzt herausbrachte. Nach dem Testurteil der Online-Fachzeitschrift „Fairaudio“ stellt der gerade einmal 25 mal 5 Zentimeter große Zwerg Namens Abacus Ampino die Musik in den Mittelpunkt und macht sie erlebbar. Dazu gehöre auch, dass der Winzling in der Lage sei, eine authentische Räumlichkeit aufzubauen. Das Resultat des Tests: Das Magazin verlieh den Entwicklerpreis „Fairaudio’s Favorite Award 2008“.
Die Schaltung der Abacus-Verstärker ist nach den Worten von Karl-Heinz Sonder nicht mehr verbesserbar. Sie klingen bei jeder Lautstärke gleich gut. Und auch die Aktivlautsprecher, die seine Firma herstellt, erfüllen die höchsten Ansprüche. Die Aktivboxen reichen von unter 16 bis über 20 000 Hertz. Sie klingen dank der Abacus-Technik „lebendig und glaubwürdig“. Die Grenze des Hörbaren sei erreicht.
Die Grenzen des Machbaren jedoch noch nicht. Denn im Labor arbeiten Karl-Heinz Sonder und sein Sohn Hanno an der nächsten Generation der Aktivboxen. Mit einem digitalen Prozessor bestückt, sollen sie bei der Einführung den Markt revolutionieren. „Das wird technologisch die Branchenführerschaft bedeuten“, ist Karl-Heinz Sonder zuversichtlich. Die Prototypen-Platinen werden zurzeit im Haus hergestellt. Sein Sohn Hanno habe die Idee mit dem Digital Signal Prozessor (DSP) aufgegriffen, sagt der Firmenchef. Der 24-jährige Physikstudent aus Oldenburg tritt mit dieser Initiative in die Fußstapfen seines Vaters, der schon vor 25 Jahren den Hifi-Markt um den ersten Abacus-Verstärker bereichert hatte.
Nordwest-Zeitung, Oldenburg am 27. Mai 2004
NORDWEST-ZEITUNG Nr. 122
Oldenburg, Donnerstag, 27. Mai. 2004, Seite 34
„REGION IM AUFWIND“ Als wäre es Live-Musik ABACUS Innovativer Nordenhamer fertigt exklusive „Anlagen" Karl-Heinz Sonder macht handgearbeitete Verstärker und Lautsprecher. Darin steckt Kow-how.
VON KARSTEN RÖHR
NORDENHAM - Das Telefon klingelte, ein Spätherbstabend. Eigentlich wollte Karl-Heinz Sonder gerade nach Hause gehen, Mantel und Tasche hatte er schon gepackt. „Aber es könnte ja ein Kunde sein“, dachte sich Sonder, Chef der damaligen Audio Pro Deutsch-land GmbH und Gründer der kleinen Nordenhamer Firma „ABACUS electronics“. Sonder ging noch einmal zurück.
Am anderen Ende war ein Elektromechaniker aus Freiburg, der beim Tüfteln eine Entdeckung gemacht hatte. Sonder ließ sich darauf ein. Das führte zur Entwicklung eines HiFi-Verstärkers, der mit enthusiastischen Kritiken gefeiert wurde und in modifizierter Form in ganz Deutschland, in Europa und den U.S.A. verkauft wird. Der „Spiegel“ beschrieb 1985 die „revolutio-näre Schaltungstechnik“ mit der der preislich moderate Verstärker „vielen der über 10.000 Mark teuren Endstufen überlegen ist“. Das Fachblatt „Stereo“ sprach von einem „Klangwunder“ und konstatierte: „Eindeutig Spitzenklasse“. Auch das Magazin „Audio“ bescheingte eine „vorzügliche Klangwiedergabe“. Wie bei der gute alten Röhre zapft ABACUS bei seiner Schaltungstechnik den Kollektor (Anode) an und nicht wie üblich den Emitter (Kathode). Die Technik hinter den unscheinbaren Anlagen: Der Kollektor kann maximalen Strom liefern, ohne sich um den momentanen Spannungswert kümmern zu müssen. So arbeitet die Schaltung „lastunabhängig“ und verhindert Phasenfehler. Der unterste Frequenzbereich „verhungert“ nicht mehr. Eine direkte Gegenkopplung schließt dabei jegliche Signalveränderung durch die Last aus, so der Unternehmer.
Die einsetzende Nachfrage überrollte damals das kleine Unternehmen. Die Kapazitäten waren auf maximal 20 Anlagen pro Woche ausgelegt. „Wenn wir gewusst hätten was die Spiegelnotiz bewirkt, hätten wir uns Geld geliehen, 1500 Stück gebaut und eingelagert. Das wäre gut für die weitere Entwicklung des Unternehmens gewesen,“ Doch dank des überzeugenden Produkts überstand ABACUS alle Höhen und Tiefen, die der HiFi-Markt seitdem erlebt hat.
Mittlerweile besteht das Unternehmen über 20 Jahre. Sonder verkauft heute Lautsprecherboxen, in die sein Verstärker integriert ist. Noch immer setzt der DiplomIngenieur (Elektrotechnik) und Radio- und Fernsehtechnikermeister mit seiner „Garagenfabrik“, wie er sagt, und einigen freien Mitarbeitern auf klein und fein. „Ich habe Techniker gelernt und nicht Fabrikant, sagt der 58-Jährige und deutet im Labor auf drei neue, schwarze, phasenlineare APC-Aktivlautsprecherpaare, die fast fertig sind. Für rund 2000 Euro wird er die Handarbeit an den Musikfreund bringen - zum Teil über Händler, dort wo große weiße Flecken auf seiner Vertriebskarte sind, über den „Wohnzimmerverkauf“ von befreundeten HiFi-Liebhabern oder auch direkt. Wer sich von der Qualität überzeugen will, kann sich von ihm auch ein Paket zum Testen schicken lassen.
Von außen sind die Lautsprecher kaum von ihren Konkurrenten zu unterscheiden. Doch wenn Sonder in sein Studio bittet und plötzlich „Crying in the rain“ (A-ha) ertönt, dann Dave Grusin’s „Reverend Lee“, Janniver Warnes, Bruce Springsteen, Luciano Pavarotti - dann hört es sich an wie in einem Konzertsaal. „Ich will eine möglichst naturähnliche Tonwiedergabe realisieren“, erklärt Sonder. „Im Idealfall soll es so klingen, als wäre da Livemusik.“
Der Spiegel 12. August 1985
Auszugsweise nachgedruckt aus
DER SPIEGEL Nr. 33, 39. Jahrgang, 12. Aug. 1985
Revolution bei HiFi-Verstärkern
Einen HiFi-Verstärker mit revolutionärer Schaltungstechnik, der vielen der bis über 10.000 Mark teuren Endstufen der High-End-Klasse überlegen ist, hat die Nordenhamer Elektronikschmiede ABACUS electronics entwickelt. In einem Test der rund 1000 Mark teuren Endstufe (Markenname: „ABACUS 60-120“) sprach das Fachblatt „Stereo“ von einem „Klangwunder“ und konstatierte: „Eindeutig Spitzenklasse“. Mit dem ABACUS, so zeigten andere Hörtests, produzierten selbst relativ billige Lautsprecher knackige Tiefbässe, Mitten und Höhen gewannen an Klarheit und Präsenz, die räumliche Auflösung des Musikgeschehens erhöhte sich. „Der ABACUS ist ein Schlager“, urteilte auch das Fachblatt „Audio“ und bescheinigte dem Gerät „vorzügliche Musikwiedergabe“. Diesen Effekt erreichte ABACUS, indem man die herkömmliche Schaltung der Transistoren gleichsam auf den Kopf stellte - sie liefern den Signalstrom nicht wie bislang üblich über ihre sogenannten „Emitter“ an die Lautsprecher, sondern über ihre „Kollektoren“. Dadurch wird der Lautsprecher zu einem elektrischen Bestandteil des Verstärkers. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verstärkern, die konstruktionsbedingt den Lautsprecher im untersten Frequenzbereich „verhungern“ lassen, liefert der ABACUS den Lautsprechern immer soviel Strom, wie diese dazu brauchen, das Signal naturgetreu in Tieftöne umzusetzen. Dabei führt der Lautsprecher den Verstärker gleichsam an der Stange: Die Membran steuert, mittels Gegeninduktionsspannung, die Endtransistoren des Verstärkers. Folge: Die Lautsprechermembran wird genauso schnell abgebremst, wie sie ursprünglich beschleunigt wurde.



